Alle Artikel in der Kategorie “Vorschau”

08.12.2026_FEAR O’ SHE

Jeremy Viner (Klarinette, Saxophon)
Felix Hauptmann (Klavier)
Elisabeth Coudoux (Cello)
Roger Kintopf (Kontrabass)
Tancrède D. Kummer (Schlagzeug, Komposition)

FEAR O‘ SHE vereint eine Gruppe aufstrebender und etablierter Improvisationskünstler rund um Tancrèdes Kompositionen und Konzepte. Die Musik verbindet zeitgenössische Strukturen und avantgardistische Rhythmen mit spontanen Gesten, Intuition und Eigeninitiative. Unser ganzheitlicher Ansatz in der Musik betrachtet das Material als ein Laboratorium, in dem wir unsere Individualität innerhalb des Kollektivs erforschen.

Für uns sollte gespielte Musik mit intensiver Leidenschaft und unerschütterlichem Engagement dargeboten werden. Daher auch der Begriff „Ritual”, den FEAR O‘ SHE gemeinsam mit ihrem Publikum leben möchte, um die hingebungsvolle Intensität repetitiver Bewegungen weiter zu erforschen und Wege zu finden, Komposition und Improvisation miteinander zu verweben. Obwohl wir viel Zeit damit verbringen, Partituren zu schreiben und Parameter für die Ausführung und das Zusammenspiel festzulegen, wird das Kollektiv immer das Prisma sein, durch das sich diese künstlerische Vision entfaltet.

Presse:

„Die Formation Fear O´She ist ein Quintett um den französischen Schlagzeuger Tancréde D. Kummer. Die Musik für das Quintett hat Tancréde D. Kummer geschrieben. Ein Komponist, der in unterschiedlichen Bereichen musikalische Erfahrungen gesammelt hat, vom Duo mit Klavier und Schlagzeug mit einer Bearbeitung der Goldberg Variationen von Bach bis zu einem Klaviertrio im Bereich Jazz.

Für die Band Fear O´She hat er die gesamte Musik minutiös auskomponiert, gibt aber seinen Musiker*innen Raum für Interpretation und Improvisation. Die Bandmitglieder sind alle erfahrene Improvisationsmusiker*innen: Elisabeth Coudoux am Cello, Jeremy Viner an Klarinette und Saxofon, Felix Hauptmann am Piano, Roger Kintopf am Bass und Tancréde D. Kummer am Schlagzeug.

Die Musik der Gruppe war eine Form von Neuer Kammermusik, mit kleinen Melodiebögen an Cello, Klarinette/Saxofon und Klavier. Eine durchaus eingängige Musik, die immer wieder durch unerwarteten Ecken und Kanten bestach. Trotz der notierten Form, entwickelten die einzelnen Musiker*innen eigene Initiativen und folgten ihrer Intuition. So entstand ein sehr kohärenter Ensembleklang von seltsamer und ungewohnter Schönheit.“

Text: Uwe Bräutigam für NRWJAZZ

www.tancrededkummer.com/fear-o-she

12.01.2027_Hemisphere 4

Gebhard Ullmann (Sopransaxophon, Bassklarinette, Bassflöte, Live Elektronik)
Liz Kosack (Keyboards)
Silke Lange (Akkordeon, Live Elektronik)
Taiko Saito (Vibrafon, Bass Drum)

Hemisphere 4 ist mein neuestes elektro/akustisches Projekt. Wir erspielen eine Musik, die ich als Hörfilme bezeichnen möchte. Generations- gender- und stilübergreifend sind drei weitere Stichworte. Die erste CD erschien im Herbst 2023 bei JazzHausMusik in Köln.

Hemisphere 4 kombiniert Neue Musik, Komposition, Improvisation und allerhand Undefinierbares und ich kehre mit diesem Projekt nach langer Zeit wieder zu Sopransaxofon und Bassflöte zurück.
In Kritiken hieß es Hemisphere 4 schließe den Kreis zu meinen unvergessenen Projekten der 80er Jahre. (Gebhard Ullmann, November 2024)

Presse:

’ Das gibt es wirklich nicht häufig. Ein Album, das mit dem ersten Ton die Hörer:innen gefangennehmen kann und nicht mehr loslässt, bis es zu Ende ist. Gebhard Ullmann und seiner Klangreisecrew mit Liz Kosack, Silke Lange und Taiko Saito verstehen es, mit wenigen musikalischen Elementen eine musikalische Sphäre herzustellen, die irgendwie in einer ganz anderen Welt spielt. Rational-esoterisch wirkt das Ergebnis wie bei der vorsichtigen Erkundung eines musikalischen Kontinents. Bei diesem Quartett stößt man wirklich auf neues, bislang unerhörtes Terrain. Aber wird sicher dabei geführt.
Man lässt es fließen, man lässt die Dinge geschehen und lässt sie zu. Das hat diese klangliche Leichtigkeit und emotionale Schwere, die unergründlich, aber geerdet zu sein scheint. Was soll man da auch ergründen, wo alles wie von selbst sich fügt? Obwohl man hörend Neuland betritt, merkt man doch, dass es genau so und nicht anders sein muss. Die Meisterschaft, wie sich das Quartett auch in mikrotonalen Gefilden bewegt und mit elektronischen Klängen umgeht innerhalb einer Welt der gelenkten Improvisation, ist schlechterdings überwältigend. Man darf sich hier einfach mal faszinieren lassen von so viel Ideenreichtum, der dabei immer durch seine Formung zum musikalischen Statement der schwebenden Selbstverständlichkeit ausreift. Beeindruckend! ‚
(Martin Hufner, Neue Musikzeitung 4/2024)

‚ Ist es Jazz ? Ist es atonale Musik ? Allein die Besetzung trotzt jeder Kategorie … Mit der Bassflöte zitiert Ullmann auf ‚Impromptu #1‘ folkloristisch wirkende Melodien, ‚ Hörfilm mit Maschinen ‚ gerät zu einem bizarren Thriller. ‚
Jazzthetik (12/23)

‚ Alles auf diesem Album (Kapitel Zwei) ist mehrdeutig, improvisiert und weit entfernt vom Gewöhnlichen. Es entzieht sich jeder einfachen Beschreibung – diese Musik muss man hören, fühlen, durchdenken und für sich selbst reflektieren. Ein Werk, das uns berührt, wenn wir uns ihm mit Offenheit und Geduld nähern. Gebhard Ullmann bleibt sich treu: Er schafft wahre Kunst, kompromisslos, ehrlich und von großer Intensität. Hemisphere 4. Kapitel Zwei ist ein herausragendes Beispiel für die Kraft der freien musikalischen Idee – ein Erlebnis, das nachhallt. ‚
Jacek Brun (10/25)

www.gebhard-ullmann.com/projects/hemisphere-4.html

Foto © Cristina Marx

11.02.2027_EYES TO THE SUN

Leo Genovese (Klavier)
Camila Nebbia (Saxophon)
Alfred Vogel (Schlagzeug)

Bei „Eyes to the Sun“ treffen drei unverwechselbare musikalische Stimmen in einem Dialog von seltener Sensibilität und Tiefe aufeinander. Der argentinische Pianist Leo Genovese, Grammy-Preisträger und langjähriger Klangforscher, der unter anderem mit Wayne Shorter, Joe Lovano und Jack De Johnette gespielt hat, tut sich mit der argentinischen Saxophonistin Camila Nebbia und dem österreichischen Schlagzeuger Alfred Vogel zusammen – beide stehen an der Spitze der heutigen europäischen Improvisationsszene –, um ein Album zu schaffen, das zwischen unerwarteter Form und spontaner Entdeckung schimmert.

Die Musik entfaltet sich mit stiller Intensität – eine Konstellation aus Texturen, Gesten und lyrischen Fragmenten, die gerade noch jenseits der Definition zu schweben scheinen. Genoveses Klavier spricht in wechselndem Licht, mal kontemplativ, mal explosiv; Nebbias Saxophon bewegt sich zwischen Flüstern und Schrei und zeichnet Linien der Verletzlichkeit und des Widerstands nach; Vogels Schlagzeugspiel haucht dem Ensemble Raum ein und verankert den Puls gleichermaßen, wie er ihn wieder loslässt.

Aufgenommen in einer Atmosphäre des aufmerksamen Zuhörens und der offenen Improvisation in Buenos Aires im Dezember 2023, spiegelt „Eyes to the Sun“ ein gemeinsames Bekenntnis zur Präsenz wider. Das Zusammenspiel des Trios lässt Landschaften erahnen – innere und äußere –, in denen Stille Teil der Musik wird und Klang zu einer Form des Gesprächs. Das Ergebnis ist eine Aufnahme von poetischer Zurückhaltung und strahlender Freiheit – Musik, die den Zuhörer einlädt, nicht wegzuschauen, sondern hinzuschauen: hin zur Wärme, hin zum Bewusstsein, hin zur Sonne.

FREE JAZZ COLLECTIVE über „EYES TO THE SUN“ live beim Jazzfestival Saalfelden 2025 (freejazzblog.com):

Das kleine Theater ist voll mit Gästen im Parkett, während sich oben auf dem Balkon die Presse und VIPs zusammen mit anderen Musikern drängen. Wer keinen Platz an der Brüstung ergattert, hat kaum eine Sicht auf die Bühne. Ich stecke hinter dem schlaksigen Schlagzeuger Leif Berger fest. Glücklicherweise ist die wunderbar lebhafte und dynamische Darbietung laut und wild genug, um die Fantasie zu beflügeln (und Leif geht schließlich in die Hocke, sodass ich etwas sehen kann!). Gelegentliche Blicke lassen mich erahnen, wie Leo lebhaft über das gesamte Tastenspektrum seines Klaviers springt, wie Camila ihr Saxophon mit voller Kraft rockt und wie Alfred tief versunken mit Geschwindigkeit und Anmut um sein Schlagzeug schwebt. Dieser verrückte, atonale Ausraster ist auf die beste, befriedigendste Art düster und herausfordernd.

Leos schnelle Tastenläufe zusammen mit Camilas rasanten Trillern sind rasend und fügen sich nahtlos ineinander. Crescendos werden passend auf Alfreds drei Becken betont; außerdem erkundet er in den ruhigeren Momenten eine Reihe verschiedener Perkussionsartikulationen, darunter Bongos, Gummischlägel und kleine Gegenstände.

Alfred erzählt uns, dass bei ihm im Jahr 2023 akute Leukämie diagnostiziert wurde und dass die Band, die gerade erst Aufnahmen gemacht hatte, beschloss, ihr Album auf jeden Fall zu veröffentlichen. Songtitel wie „Glint“ und „Glow“ erinnern an die Desorientierung, die man empfindet, wenn man direkt in die Sonne blickt. Es scheint, wie Alfred sagt, als wolle das Universum, dass er „zurückkommt“. Darauf folgt lauter Applaus. Leo holt eine Klarinette hervor, und schon geht es mit voller Kraft in die zweite Runde. Ein Duell der Holzblasinstrumente und ein superschneller Groove von Alfred – rasantes, knackiges Schlagzeugspiel, begleitet von flatterndem, stotterndem Saxophon und Klarinette. Diese Gruppe lässt nicht locker, und niemand scheint zu bemerken, dass es 23:30 Uhr in den österreichischen Alpen ist und nicht in irgendeinem schäbigen kleinen Keller in New York.

https://www.boomslang-records.com/releases/eyes-to-the-sun

Foto © privat

09.03.2027_STAX

Reza Askari (Kontrabass)
Matthew Halpin (Tenorsaxophon)
Bertram Burkert (Gitarre)
Max Stadtfeld (Schlagzeug)

Mit STAX hat der Leipziger Schlagzeuger und Komponist Maximilian „Max“ Stadtfeld eine Band geschaffen, die zu den spannendsten Stimmen des zeitgenössischen europäischen Jazz zählt. Das Quartett verbindet lyrische Offenheit, rhythmische Raffinesse und eine ausgeprägte Freude am gemeinsamen musikalischen Erzählen.

Seit dem Debütalbum Stax (ACT Music, 2019) hat sich die Formation kontinuierlich weiterentwickelt. Es folgten Suboptimal (Klaeng Records, 2022) und zuletzt Fancy Future (Boomslang Records, 2024), ein Album voller Zuversicht und klanglicher Fantasie, das einen optimistischen Gegenentwurf zu einer zunehmend komplexen Welt entwirft.

Im Zentrum steht Stadtfelds unverwechselbare kompositorische Handschrift: melodisch, verspielt und stets offen für spontane Entwicklungen. Gemeinsam mit dem irischen Saxophonisten und Flötisten Matthew Halpin, dem Gitarristen Bertram Burkert und dem Bassisten Reza Askari entsteht ein Bandsound, der gleichermaßen transparent wie kraftvoll wirkt. Die vier Musiker begegnen sich mit großer Aufmerksamkeit und lassen ihre Stücke in jedem Konzert neu entstehen.

STAX bewegt sich mühelos zwischen modernem Jazz, kammermusikalischer Feinheit und energiegeladenen Improvisationen. Die Musik lebt von intensiver Interaktion, überraschenden Wendungen und einer großen stilistischen Offenheit. Dabei entsteht eine Klangsprache, die zeitgenössisch und eigenständig ist – voller Wärme, Dynamik und erzählerischer Tiefe.

Max Stadtfeld STAX, Fancy Future
Boomslang Records/ boomslangrecords.bandcamp.com

Max Stadtfeld STAX – Fancy Future (Cover)Zum dritten Album „Fancy Future“ des Leipziger Schlagzeugers Max Stadtfeld und seinem Quartett STAX gibt es ein Comicbuch, gezeichnet von Ebony Schneeweiß. Der Rezensent kennt dieses Buch nicht. Wenn die Bildergeschichte aber genauso schrullig-verträumt ist wie die Musik auf „Fancy Future“, will man irgendwann beides auch mal relaxt hören und schauen. Stadtfelds Musik mit ihm, Matthew Halpin (Saxofon), Reza Askari (Bass) und Bertram Burkert (Gitarre), entwickelt jedenfalls einen warmen Melos, der einen die Augen schließen lässt, sie besitzt gleichzeitig diesen emotionalen Cry, der einen oftmals doch wieder wachrüttelt, und hat einen zupackenden Groove, der einen nicht mehr loslassen will. Die vier interagieren auf Augenhöhe, vieles scheint aus dem Augenblick heraus zu entstehen und besitzt dieses Moment, sich fest im Jetzt verorten zu wollen. Die Produzentenhandschrift von Alex Binder trägt das Ihre dazu bei, dass die acht Songs ganz direkt und so überhaupt nicht nach Jazz klingen. Wow!

Text: Martin Laurentius, Jazz thing 154

www.maxstadtfeld.de

Foto © Lukas Diller

04.04.2027_DaughterDaughter

Amalie Dahl (Saxophon)
Camila Nebbia (Saxophon)
Sun-Mi Hong (Schlagzeug)
Elisabeth Coudoux (Cello)

DaughterDaughter nennt sich ein kollaboratives Quartett, das mit vier Improvisationskünstlerinnen aus Oslo, Berlin, Köln und Amsterdam besetzt ist.

Die in Dänemark geborene und in Oslo lebende Altsaxofonistin Amalie Dahl steht für einen eigenen und persönlichen Zugang zur gleichermaßen freien wie tonal gebundenen Improvisationsmusik, in der sie ihr energiegeladenes Spiel oftmals in emotionale Sounds verdichtet. Ähnliches lässt sich über die in Berlin lebende und in Buenos Aires geborene Tenorsaxofonistin Camila Nebbia sagen. In ihren Projekten verarbeitet sie Themen wie Identität, Migration und Integrität als eindringlich-drängende Improvisationsmusik.

Die Kölnerin Elisabeth Coudoux hat auf ihrem Instrument, dem Cello, zu einem eigenen Personalstil gefunden, in dem sie unter anderem Geräuschhaftes mit Melodischem kombiniert. Und die in Südkorea geborene, in Amsterdam lebende Schlagzeugerin Sun-Mi Hong fühlt sich dann am Wohlsten, wenn sie sich mit ihrem ausdifferenzierten Drumming zwischen konkretem Beat und offenem Pulsieren wiederfindet.

Foto © Dovile Sermokas